Nachwuchs im Anmarsch?
So machen Sie Ihr Haus kindersicher!

 

Wenn Ihre Familie Zuwachs bekommt, dann stehen viele Punkte auf Ihrer To-Do-Liste: Kinderwagen, Kindersitz fürs Auto, Kinderbett etc. Ziemlich weit unten steht meistens der Punkt: Kindersicherung im Haus – wenn er überhaupt draufsteht. Dabei hält sich Ihr Nachwuchs die meiste Zeit zu Hause auf, entsprechend groß ist die Gefahr für einen Unfall. Fast 50 % der Unfälle in Haus und Garten gehen auf das Konto von Kindern unter sechs Jahren, dabei liegen die Jungs knapp vor den Mädchen. Den größten Teil machen dabei die Stürze aus (47 %), dann folgen die Zusammenstöße (26 %), Verbrennungen (15 %) und Verbrühungen (5 %). Und viele dieser Tragödien können Sie vermeiden, wenn Sie Ihren Wohnraum entsprechend kindersicher gestalten. So sollten Sie bei einer Hausrenovierung bzw. Wohnraummodernisierung nicht nur an die Energieeffizienz und das altersgerechte Wohnen denken, sondern auch schon die Familienplanung im Blick behalten. Wir haben uns für Sie mal auf den Fußboden gelegt und geschaut, welche Gefahrenquellen aus Kindersicht interessant sind und wie Sie diese entschärfen können. 

Steckdosen & Kabel –
besonders faszinierend & gefährlich

Natürlich fallen uns vom Boden aus als Erstes die Steckdosen auf. Die sind schön gleichmäßig im Wohnraum verteilt und auf optimaler Greifhöhe für Ihren Nachwuchs. Die zwei Kontaktöffnungen ziehen Kinder geradezu magisch an, damit sie etwas Dünnes hineinstecken können. Das Gefährliche an der Elektrizität ist, dass dabei gleich Lebensgefahr besteht. Ein Stromschlag ist nicht mit einmal Pusten wieder gut. Auf der anderen Seite werden unsere Häuser immer elektrischer, digitaler und smarter – und somit gefährlicher für die Kinder. Bei einer Renovierung sollten Sie die Chance ergreifen und auf ein Smart Home umrüsten. Das steigert nicht nur den Komfort in Ihren vier Wänden, sondern verhindert auch den Kabelsalat im Wohnzimmer. Denn ebenso spannend wie Steckdosen finden Kinder auch die am Boden verlegten Kabel. Wenn Sie Ihr Zuhause technisch aufrüsten, dann sollten Sie auch gleich in allen Räumen Rauchmelder installieren, in denen sich Ihr Nachwuchs aufhält. Bei Rauchentwicklung verkriechen sich Kinder gern unter dem Tisch oder unter dem Bett und sind dann schwierig zu finden. Allerdings sammelt sich bei einem Schwelbrand der Rauch in Bodennähe, wodurch die Kinder in der Falle sitzen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ein Rauchmelder so schnell wie möglich auf die Gefahr hinweist.

Elektrik kindersicher verlegen

  • Steckdosensicherung anbringen
  • Kabel durch clevere Planung vermeiden
  • Für erreichbare Kabel Kabelkanäle verwenden
  • Rauchmelder in allen relevanten Räumen installieren
  • Stehlampen hinter Möbeln verbergen
  • FI-Schutzschalter im Sicherungskasten nachrüsten

Hier lauern die Gefahren im Alltag

Elektrik ist in jedem Raum vorhanden und gefährlich. Doch die einzelnen Bereiche im Haus haben auch noch eigene Gefahrenquellen, die sich mit guter Vorsorge verhindern lassen. 

a) Treppe

Sobald Ihr Wohnraum über mehrere Etagen verfügt, ist die Treppe das zentrale Bindeglied zwischen den Ebenen. Sie ist von allen Räumen aus schnell erreichbar und wird im Alltag häufig benutzt. Und fast jeder Mensch kann eine Geschichte über einen spektakulären Treppensturz zum Besten geben. Zum Glück enden diese meistens nur mit blauen Flecken und kaputten Vasen. Die übliche Maßnahme zur Kindersicherung sind Gitterschutztüren. Diese werden an jedem Treppenende angebracht, damit die Kinder die gefährlichen Treppenstufen gar nicht erst erreichen. Bei der Auswahl sollten Sie auf einen geringen Abstand zwischen den Stäben achten, damit Ihr Nachwuchs nicht mit dem Arm oder gar mit dem Kopf darin stecken bleibt. Sobald Ihr Kind dann mit dem Treppensteigen beginnt, sorgen drei Maßnahmen für einen sicheren Stand auf den Stufen:

  1. Stufen mit rutschhemmendem Belag

Eine rutschhemmende Oberfläche verhindert das Ausrutschen auf der Treppe, vor allem wenn Kinder in Socken unterwegs sind und einen neuen Geschwindigkeitsrekord beim Hoch- und Runterrennen aufstellen wollen.

  1. Geländer in Greifhöhe

Für ältere Menschen werden ganz selbstverständlich Handläufe und Griffe im Haus und an der Treppe angebracht, damit sie sich jederzeit gut festhalten können. Doch auch Kinder sollten diese Möglichkeiten haben. Allerdings müssen ihre Handläufe wesentlich niedriger angebracht werden als bei Erwachsenen.   

  1. Indirekte Beleuchtung der Stufen

Die jungen Treppensteiger haben noch nicht die Routine mit den Stufen und müssen deshalb sehr genau hinschauen. Für die Morgen- und Abendstunden eignet sich eine zusätzliche Beleuchtung der Treppe. Diese darf allerdings nicht blenden, sodass eine indirekte Beleuchtung am besten geeignet ist.  

b) Küche

Die Küche ist kein Kinderspielplatz – diesen Satz werden Sie während der Erziehung wahrscheinlich noch häufig sagen. Trotzdem lassen sich Kinder nicht gern aus der Küche verbannen, dafür ist es hier viel zu spannend. Bei ausreichend Platz können Sie einen abgegrenzten Spielbereich einrichten, außerhalb jeglicher Gefahrenzone. Zu Beginn ist dieser durch ein Gitter getrennt, später durch eine farbliche Markierung. Trotzdem sollten Sie alle elektrischen Geräte und gefährliche Gegenstände außer Reichweite Ihrer Kinder bringen. Das beinhaltet auch die schön bunten Spül- und Putzmittel, die gern unter der Spüle aufbewahrt werden. Spülmaschine, Kühlschrank und Backofen sollten nach Benutzung immer geschlossen werden, zusätzliche Sicherungen sorgen dafür, dass sie auch geschlossen bleiben. Für den Herd gibt es zudem spezielle Herdschutzgitter, die die Knöpfe und Töpfe vor neugierigen Kinderhänden abschirmen. 

c) Badezimmer

Ein Kind sollte generell nie unbeaufsichtigt in Küche und Bad unterwegs sein. Auch im Badezimmer gibt es elektrische Geräte, die für den Nachwuchs außer Reichweite gebracht werden. Spitze Gegenstände wie Scheren und Klingen sowie Medikamente gehören in hohe oder verschließbare Schränke und Schubladen. Unterschätzen Sie dabei nicht die Phantasie Ihres Kindes. Der kleine Hocker vor dem Waschbecken kann auch schnell für den Aufstieg zur obersten Schublade umfunktioniert werden. Generell sollten Sie interessante Sachen wie Süßigkeiten im Wohnzimmer nicht oben im Regal verstauen, denn das ermuntert die kleinen Schlauberger nur zusätzlich zum Klettern. Besser ist ein abschließbares Fach auf Greifhöhe. Um im Bad Verbrühungen durch heißes Wasser zu vermeiden, sollten Sie Ihre Mischbatterien mit Reglern ausstatten, sodass das Wasser nicht heißer als 50 Grad werden kann. Durch die Feuchtigkeit kann es im Badezimmer auch schnell rutschig werden, vor allem weil dann die Anti-Rutsch-Socken an den nackten Füßen fehlen. Im Zuge einer Badrenovierung sollten Sie rutschhemmende Fliesen einbauen, das kommt sowohl Ihren Kindern als auch Ihrem älteren Sich zugute. Für die glatte Badewanne gibt es extra rutschsichere Matten. 

d) Wohn- & Kinderzimmer

In den Wohnräumen sind besonders die vielen Schränke und Regale für Kinderaugen interessant. Jede Tür möchte geöffnet, jede Schublade durchstöbert werden. Zunächst sollten Sie alle größeren Möbelstücke an der Wand verankern, damit sie nicht umkippen. Die Laufwege sind freizuhalten von Stolperfallen jeglicher Art, dazu gehören auch Teppiche und Läufer. Gefährliche Ecken und Kanten können Sie abpolstern. Tischdecken werden wohl nicht lange auf dem Tisch liegen bleiben und verführen nur zum Runterziehen, also können Sie sie auch gleich weglassen. Ähnlich sieht es mit Kordeln von Gardinen und Vorhängen aus. Anfangs sind die Griffe von Fenstern und Balkontüren noch außerhalb der Reichweite, doch sobald die Kinder größer sind, sollten Sie eine Fenstersicherung anbringen. Große Glasflächen werden auch gerne mal übersehen, diese können Sie durch getrübtes Glas oder Aufkleber sichtbar machen. Dann fallen die Fingerabdrücke an der Scheibe auch nicht so schnell auf. 

Auch beim Balkongeländer gilt: Kinder stecken gern ihren Arm oder Kopf durch die Streben und kommen dann nicht mehr raus. Ist das Geländer hingegen blickdicht, dann versuchen sie nach oben zu klettern und auf die andere Seite zu schauen. Da der Kopf im Vergleich zum restlichen Körper bei Kindern viel schwerer ist, fallen sie leichter nach vorne oder hinten um. Dementsprechend sollten Sie auf dem Balkon darauf achten, dass Ihre Blumentöpfe und Sitzmöbel nicht als Kletterhilfen verwendet werden. Auch der Garten sollte sicher umzäunt sein, bevor Sie Ihr Kind allein auf Entdeckungstour ins Grüne lassen. Gartengeräte sind im verschlossenen Schuppen oder in der Garage zu verstauen und der Wasserschlauch wird ordentlich aufgerollt, dann kann eigentlich nichts passieren. Außer Sie haben einen Teich im Garten, dann sollten Sie diesen mit mindestens einem Meter Abstand zum Ufer einzäunen. Für einen Pool brauchen Sie nicht unbedingt einen Zaun, hier reicht eine Poolabdeckung, die das Kind vor dem Reinfallen bewahrt.

Badezimmer

In Badezimmern ist der Platz oft begrenzt, für die Barrierefreiheit brauchen Sie jedoch mindestens 1,20 x 1,20 Meter freie Bewegungsfläche. Besser noch 1,50 x 1,50 Meter, dann haben auch Rollstuhlfahrer genügend Platz. Platz sparen können Sie bei den Badmöbeln und Armaturen. So benötigt eine bodengleiche Dusche keine Duschwanne mehr und auch die Abtrennung können Sie flexibel gestalten. Allerdings sollten Sie stattdessen auf einen rutschfesten Bodenbelag achten und einen ausklappbaren Sitz in die Dusche einbauen. Haben Sie statt der Dusche eine Badewanne zu Hause, dann hilft Ihnen ein Badewannenlift beim Einsteigen oder Sie nutzen eine Badewanne mit Tür. Auch neben der Toilette sollten Sie ausreichend Platz für einen Rollstuhl einplanen – mindestens 90 Zentimeter. Im Optimalfall lässt sich die Höhe der Toilettenschüssel mit einer Fernbedienung verstellen, das hilft beim Draufsetzen. Gerade wenn das Bad von verschiedenen Bewohnern benutzt wird. Auch das Waschbecken kann in der Höhe verstellt werden. Zumindest sollte es jedoch für Rollstuhlfahrer unterfahrbar sein, sodass sie an die Armaturen kommen. Hier bieten Schwenkhebel und Druckknöpfe die einfachste Art der Bedienung. Ein barrierefreies Bad sollte natürlich mit ausreichend Haltegriffen an allen kritischen Stellen sowie rutschhemmenden Fliesen mit rauen Oberflächen ausgestattet sein. Zusätzlich sparen Sie Platz, wenn Sie die Badtür durch eine Schiebetür oder eine nach außen öffnende Tür ersetzen. Dann laufen Sie bei einem Sturz im Badezimmer auch nicht Gefahr, dass Ihr Körper die Tür blockiert und Ihnen niemand zu Hilfe kommen kann.

Vorsorge statt Arztbesuch

Kinder sind erfinderisch und werden auf jeden Fall irgendwelche Ecken entdecken und Gegenstände erreichen, an die Sie bisher noch gar nicht gedacht haben. Sie können sich auch selbst mal auf den Boden legen und Ihr Haus aus der Perspektive eines Kindes betrachten. Wenn Sie die typischen Gefahrenstellen bei einer Renovierung schon mal absichern, dann sparen Sie sich in Zukunft Nerven, Tränen und Arztbesuche. Wir beraten Sie gern zum Thema Renovierung und geben Ihnen weitere Tipps, wie Sie Ihr Haus kindersicher gestalten.

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