Die richtigen Bodenbeläge für barrierefreie Wohnungen und Häuser

Wenn es darum geht, einen Wohnbereich barrierefrei zu gestalten, gelangen nicht wenige Menschen erst einmal an ihre Grenzen, wenn es um das Thema barrierefrei wohnen geht. Denn oft ist es schwer, als Laie zu wissen, welche Bodenbeläge eigentlich für ältere Personen, Rollstuhlfahrer und anderweitig in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen geeignet sind. Grundsätzlich gilt: Den perfekten Bodenbelag gibt es nicht – vielmehr kommt es stets auf die individuellen Anforderungen an.

Auch der Boden muss barriefrei sein!

Für gehbehinderte Personen ist es zum Beispiel von großer Bedeutung, dass sie auf dem Bodenbelag nicht austauschen können. Bodenfliesen haben beispielsweise unterschiedlich raue Oberflächen. Diese werden in sogenannte R-Werte kategorisiert. R9 hat einen geringen Haftreibwert, während R13 einen großen Haftreibwert besitzt. Das Thema rutschhemmende Bodenfliesen ist insbesondere in einem barrierefreien Bad ein großes Thema.

Kraftlose und ältere Rollstuhlfahrer sollten dagegen einen Bodenbelag wählen, der einen möglichst geringen Rollwiderstand aufweist. Ähnliche Problematiken ergeben sich auch mit einem Rollator, den man zu Hause nutzt. Setzt man sich gerne auf den Boden oder geht gerne barfuß, kann sich auch die Installation einer Fußbodenheizung in Kombination mit einem Wärme speichernden Bodenbelag empfehlen. Bewegt man sich mit einem elektrischen Rollstuhl fort, sind besonders Aspekte wie Robustheit und Strapazierfähigkeit wichtig.

Barrierefrei wohnen – Tipps rund um den richtigen Bodenbelag

Grundsätzlich kann natürlich jeder seinen Wohnbereich ganz nach den eigenen Vorstellungen gestalten, allerdings gibt es auch Normen bezüglich der Barrierefreiheit. Als barrierefrei gilt ein Raum dann, wenn auch behinderte Personen diesen ohne Einschränkungen betreten und nutzen kann. Die Art der Behinderung spielt dabei keine Rolle – sowohl geh- als auch sehbehinderte Menschen sollten gut allein zurechtkommen. Hierbei handelt es sich um die DIN-Normen 18040 und 18024, welche die nachfolgenden Anforderungen stellen:

  • Der Bodenbelag sollte risikofrei und leicht begehbar bzw. befahrbar sein. Deshalb muss es sich um einen möglichst festen Bodenbelag handeln, der keine Dellen oder Rillen vom Rollstuhl hinterlässt.

  • Die Oberfläche des Bodenbelags muss eben sein. Absätze dürfen innen nicht größer als 1,5 mm und außen nicht größer als 4 mm sein.

  • Bei gepflasterten Wegen dürfen Fugen nicht breiter als 2 mm sein.

  • Es ist darauf zu achten, dass es keine Stolperfallen oder Sichtbehinderungen gibt, weiterhin sollte der Bodenbelag stets rutschfest sein. Hierfür gilt eine Struktur bzw. Rauigkeit von mindestens R9, was insbesondere für Eingangsbereiche und Treppen im Haus wichtig ist.

  • Bodenbeläge dürfen nicht reflektieren oder blenden, da dies die Sicherheit beeinträchtigen kann. Daher sollte die Oberfläche nicht zu glatt oder glänzend sein.

  • In Nassbereichen und im Badezimmer sollte die Rauigkeit des Bodens nicht weniger als R10 betragen.

Auf diese Bodenbeläge sollten Sie unbedingt achten

Der Boden in einem barrierefreien Bad ist schon eine Herausforderung! Durch Feuchtigkeit und Dusch- oder Seifenreste ist er automatisch rutschig. Ist eine bodengleiche Dusche vorhanden, so sollte die Rauigkeit der Fliese mindestens R11 betragen. Besser ist jedoch, wenn der Wert der Rauigkeit höher ist, damit Unfälle vermieden werden können.

Für Rollstuhlfahrer ist es grundsätzlich wichtig, dass ein Bodenbelag sich leicht und ohne Einschränkungen mit dem Rollstuhl befahren lässt. Deshalb bieten sich hier vor allem Parkett, Lamina, Fliesen oder andere feste Bodenbeläge an. Teppichboden oder PVC sind nicht optimal – denn je elastischer bzw. weicher der Bodenbelag ist, desto schwerer fällt Rollstuhlfahrern die Fortbewegung darauf. Weiterhin müssen Bodenbeläge fest verlegt bzw. mit dem Untergrund verklebt sein – sie dürfen sich weder verschieben noch rutschig sein oder gar Wellen schlagen.

Auch gilt es darauf zu achten, dass ein Bodenbelag sich nicht elektrostatisch auflädt. Sollte dies nicht gewährleistet sein, ist auf eine leitfähige Verlegung zu achten. Darüber hinaus können eine zusätzliche Beschichtung und Versiegelung erforderlich sein. Das Längsgefälle eines Bodens darf prinzipiell nicht mehr als 3 % betragen, damit der Rollstuhl sich nicht von alleine bewegen kann.

Welcher Bodenbelag eignet sich für eine barrierefreie Wohnung?

Wie bereits erwähnt, lässt sich kaum eine pauschale Empfehlung für die richtige Wahl des Bodenbelags geben. Allerdings ist grundsätzlich darauf zu achten, dass der Boden möglichst strapazierfähig ist und darüber hinaus leicht gereinigt werden kann. Unter Umständen ist es darüber hinaus von Bedeutung, dass sich der Boden auch mit chemischen Desinfektionsmitteln behandeln lässt.

Deshalb sind robuste Bodenbeläge wie Fliesen, Laminat, Parkett oder Natursteinböden eine gute Wahl. Sie sind nicht nur langlebig und pflegeleicht, sondern bieten gehbehinderten Menschen eine einfache Fortbewegung mit dem Rollstuhl.

Diese Böden eignen sich nicht zum barrierefreien Wohnen!

Natürlich gibt es auch einige Bodenbeläge, die eher ungeeignet für die Verwendung in Innenräumen sind. Allerdings sind es nur wenige, von denen absolut abzuraten ist. Dazu zählen vor allem sehr weiche Bodenbeläge oder auch solche, die über lange Fasen oder Schlingen verfügen. Ein Hindernis können darüber hinaus auch stark reflektierende und sehr glatte Oberflächen darstellen, auf denen man leichter ausrutschen kann. Grundsätzlich sollten keinerlei lose Bodenbeläge verlegt werden: Teppiche zur Dekoration sind für barrierefreie Bereiche keine gute Wahl, was ebenso auch für polierte Stein- und Fliesenböden sowie für extrem glatt geschliffene Holzböden gilt.

Fazit:
Am besten lässt man sich vor dem Kauf von einem Experten im Fachhandel beraten. So kann man sicher sein, dass die Barrierefreiheit auch nach der Verlegung des entsprechenden Bodenbelags noch gewährleistet ist und man auf lange Sicht eine gute und möglichst sichere Wahl trifft.

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